Folsäure in der Schwangerschaft: Was wirklich wichtig ist
- Die EFSA empfiehlt 400 µg synthetische Folsäure täglich – zusätzlich zur normalen Ernährung – beginnend vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Trimesters.
- Folsäure reduziert das Risiko von Neuralrohrdefekten beim Ungeborenen – das ist wissenschaftlich gut belegt.
- Der Unterschied zwischen Folat (natürlich) und Folsäure (synthetisch) ist relevant: Synthetische Folsäure wird vom Körper besser aufgenommen als natürliches Folat aus Lebensmitteln.
- Frauen mit MTHFR-Genvariante können Folsäure schlechter umwandeln – für sie ist Methylfolat (5-MTHF) die bessere Alternative.
- Die Supplementierung sollte idealerweise vor der Schwangerschaft beginnen – da der Neuralrohrschluss bereits in der 4.–6. Schwangerschaftswoche stattfindet, oft bevor die Schwangerschaft bekannt ist.
Folsäure in der Schwangerschaft ist eine der wenigen Nahrungsergänzungsempfehlungen die von allen großen Gesundheitsbehörden weltweit einheitlich ausgesprochen wird. Der Hintergrund ist gut belegt: Eine ausreichende Folatversorgung in den ersten Schwangerschaftswochen reduziert das Risiko schwerer Fehlbildungen des Neuralrohrs erheblich. Dieser Artikel erklärt was Folsäure im Körper macht, welche Dosis empfohlen wird und was Frauen mit MTHFR-Genvariante beachten sollten.
Was ist Folat – und was ist Folsäure?
Die Begriffe Folat und Folsäure werden oft synonym verwendet – bezeichnen aber unterschiedliche Dinge:
Folat ist der Oberbegriff für alle Formen von Vitamin B9 – einschließlich der natürlich in Lebensmitteln vorkommenden Verbindungen. Folat findet sich in grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Leber.
Folsäure ist die synthetische Form von Vitamin B9 die in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln verwendet wird. Folsäure hat eine höhere Bioverfügbarkeit als natürliches Folat – der Körper kann sie besser aufnehmen.
Methylfolat (5-MTHF) ist die biologisch aktive Form – die Form die der Körper tatsächlich nutzt. Folsäure muss erst in Methylfolat umgewandelt werden. Bei Frauen mit MTHFR-Genvariante funktioniert diese Umwandlung eingeschränkt.
Warum Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig ist
Folat ist essenziell für die Zellteilung und die DNA-Synthese. In der Frühschwangerschaft – wenn sich Gehirn und Rückenmark des Embryos entwickeln – ist der Folatbedarf besonders hoch.
Der Neuralrohrschluss findet zwischen dem 22. und 28. Tag nach der Befruchtung statt – also in der 4.–6. Schwangerschaftswoche. Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen noch nicht dass sie schwanger sind. Ein Folatmangel in dieser kritischen Phase erhöht das Risiko für Neuralrohrdefekte wie Spina bifida (offener Rücken) oder Anenzephalie erheblich.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Supplementierung deshalb nicht erst bei bekannter Schwangerschaft zu beginnen – sondern bereits vier Wochen vor der geplanten Empfängnis. Für Frauen mit Kinderwunsch ist die frühzeitige Supplementierung eine der wenigen Maßnahmen mit klarer wissenschaftlicher Evidenz.
EFSA-Empfehlung: Wie viel Folsäure täglich?
| Gruppe | Empfohlene Zufuhr | Zeitraum |
|---|---|---|
| Erwachsene Frauen (nicht schwanger) | 330 µg DFE täglich (aus Nahrung) | Dauerhaft |
| Frauen mit Kinderwunsch / Schwangere (1. Trimester) | 330 µg DFE aus Nahrung + 400 µg synthetische Folsäure als Supplement | Ab 4 Wochen vor Empfängnis bis Ende 1. Trimester |
| Schwangere (2. und 3. Trimester) | 600 µg DFE täglich gesamt | Ärztliche Abklärung empfohlen |
| Stillende | 500 µg DFE täglich gesamt | Ärztliche Abklärung empfohlen |
Quelle: EFSA NDA Panel (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for folate. EFSA Journal 2014;12(11):3893. DFE = Dietary Folate Equivalents.
Wichtig: Die Obergrenze für synthetische Folsäure liegt bei 1.000 µg täglich. Die empfohlenen 400 µg Supplement liegen weit darunter und gelten als sicher.
Folsäure vs. Methylfolat: Der Unique Data Point
Nicht alle Frauen können synthetische Folsäure gleich gut verwerten. Der Grund liegt in einem Enzym namens MTHFR (Methylentetrahydrofolat-Reduktase) das Folsäure in die aktive Form Methylfolat umwandelt. Bei ca. 10–15 % der Bevölkerung funktioniert dieses Enzym aufgrund einer genetischen Variante eingeschränkt.
| Form | Bioverfügbarkeit | Umwandlung nötig | Geeignet bei MTHFR-Variante |
|---|---|---|---|
| Natürliches Folat (aus Lebensmitteln) | Mittel – variabel | Ja | Eingeschränkt |
| Synthetische Folsäure | Hoch | Ja – über MTHFR-Enzym | Eingeschränkt |
| Methylfolat (5-MTHF) | Sehr hoch | Nein – direkt aktiv | ✓ Ja – beste Wahl |
Aus wissenschaftlicher Sicht ist Methylfolat für Frauen mit bekannter MTHFR-Variante die überlegene Form. Für Frauen ohne bekannte MTHFR-Problematik ist synthetische Folsäure in der empfohlenen Dosierung von 400 µg täglich wirksam und sicher.
Folatreiche Lebensmittel: Was die Ernährung beitragen kann
Eine folatreiche Ernährung ist wichtig – reicht aber allein nicht aus um den erhöhten Bedarf in der Frühschwangerschaft zu decken. Folatreiche Lebensmittel sind grünes Blattgemüse (Spinat, Feldsalat, Brokkoli), Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen), Leber sowie Vollkornprodukte und Eier.
Das Problem: Folat ist hitze- und lichtempfindlich. Kochen zerstört einen erheblichen Teil des Folats in Lebensmitteln. Selbst bei folatreicher Ernährung ist es schwierig die empfohlene Gesamtmenge von 600 µg DFE täglich in der Schwangerschaft allein über die Nahrung zu erreichen.
Die Supplementierung mit 400 µg synthetischer Folsäure ist daher keine Option sondern eine Notwendigkeit – zusätzlich zur Ernährung, nicht als Ersatz.
Was sonst noch zu beachten ist
Folsäure ist das wichtigste B-Vitamin in der Schwangerschaft – aber nicht das einzige relevante. Auch Vitamin B12, B6 und Eisen haben erhöhten Bedarf. Eine ärztliche Betreuung und individuelle Laborkontrollen sind in der Schwangerschaft unerlässlich – Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr zur Wirkung aller B-Vitamine und ihren Zusammenhängen erklärt der Artikel B-Vitamine Wirkung – was alle 8 B-Vitamine im Körper leisten.
Die EFSA-Referenzwerte und Obergrenzen für alle B-Vitamine findest du im Artikel B-Vitamine Dosierung – Referenzwerte und Einordnung.
Wer einen B-Komplex mit Methylfolat sucht findet Kaufkriterien im Artikel B-Vitamine kaufen – worauf sollte man achten?
Da B12 ebenfalls in der Schwangerschaft besonders relevant ist erklärt der Artikel Vitamin B12 Mangel – Symptome, Ursachen und Risikogruppen die wichtigsten Punkte.
B-Komplex mit Methylfolat – aktive B9-Form inklusive
Wer einen B-Komplex mit aktiver Folatform sucht, sollte auf folgende Kriterien achten:
- Methylfolat (5-MTHF) statt synthetischer Folsäure – direkt aktive Form
- Methylcobalamin als B12-Form – ebenfalls direkt aktiv
- Alle 8 B-Vitamine in einer Tagesdosis
Natural Elements B-Komplex enthält Methylfolat und Methylcobalamin. Hinweis: Für die gezielte Folsäure-Supplementierung in der Schwangerschaft empfiehlt sich ein spezialisiertes Schwangerschaftspräparat – ärztliche Beratung ist in jedem Fall empfohlen.
Hinweis: Dieser Link ist ein Affiliate-Link. Wenn du darüber kaufst, erhalten wir eine kleine Provision – für dich entstehen keine Mehrkosten. Weitere Informationen findest du auf unserer Affiliate-Transparenz-Seite.
Wissenschaftliche Quellen und Grundlage dieses Artikels
- EFSA NDA Panel (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for folate. EFSA Journal 2014;12(11):3893. efsa.europa.eu
- MRC Vitamin Study Research Group (1991): Prevention of neural tube defects: results of the Medical Research Council Vitamin Study. Lancet, 338(8760):131–137. PubMed PMID: 1677062
- Czeizel AE, Dudás I (1992): Prevention of the first occurrence of neural-tube defects by periconceptional vitamin supplementation. New England Journal of Medicine, 327(26):1832–1835. PubMed PMID: 1307234
- Obeid R et al. (2019): Folate status in Germany – results from the German Health Interview and Examination Survey. European Journal of Clinical Nutrition. PubMed PMID: 30575836
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Folsäure – Bedeutung für die Gesundheit. bfr.bund.de
Dieser Artikel wurde von Gregor Hesse, Gründer von VitamineProfi.de, auf Basis wissenschaftlicher Primärquellen erstellt. Gregor Hesse ist kein Arzt. Die Inhalte dieser Seite dienen der Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei Fragen zur Supplementierung in der Schwangerschaft wende dich bitte an deinen Arzt oder deine Hebamme.